Realschüler wieder mit Erlebnissen versorgen

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Eberbach. (fhs) Durch die Hand in den Kopf -– frei nach diesem Motto kann Lernen funktionieren. Durch eigenverantwortliches Ausprobieren neuen Lernstoffs wird neues Wissen buchstäblich "be-griffen". Etwa im Chemieunterricht, indem man selbst Versuche anstellt. An der Realschule Eberbach helfen dabei jetzt sieben Experimentierkästen im Mikromaßstab, sogenannte "Labs in a drop". Eine 1500-Euro-Spende macht dies möglich.

"Wir sind vom Schulträger gut ausgestattet; große Experimente vor der gesamten Klasse kann ich auch so machen. Aber die brauchen Vorbereitungszeit und verbrauchen in der Regel größere Materialmengen. Die Labs ermöglichen es jetzt, dass immer vier Schüler zusammen selbst eine Versuchsanordnung aufbauen, das Experiment vornehmen und dass das auch jeder einmal mit eigenen Händen machen kann", erläutert Lehrerin Rina Dhingra-Müller.

Der Einsatz der insgesamt sieben Kisten geht schneller, und die Versuche im kleineren Maßstab erfordern auch nur geringere Mengen. So lassen sich in den gerade mal rund 90 Minuten einer Doppelschulstunde viele praktische Wissenserfahrungen zusätzlich ermöglichen.

Dhingra-Müller nutzte ein Angebot des Förderwerks (Fonds) im Verband der Chemischen Industrie, um derartige Boxen mit einer kleinen Laborarbeitsausstattung anschaffen zu können. Der wirtschaftspolitische Verband der Chemieindustrie ermöglicht mit seinem Fonds seit 1950 Grundlagenforschung durch Nachwuchswissenschaftler sowie eben Chemieunterricht an Schulen.
Allgemeinbildende Schulen können alle drei Jahre Geld für das Fach Chemie erhalten – Realschulen bis 1500 Euro, Gymnasien bis zu 2500 Euro. Aber auch Grundschulen haben die Chance, bis zu 800 Euro zu erhalten, um die Attraktivität der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu erhöhen und künftigen Nachwuchs für diese Wissens- sowie Arbeitsgebiete zu interessieren. Infos und Anträge via Bildungsreferent Dr. Tobias Pacher, (0 72 21) 21 13 49, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). "Ich finde, dass Jugendliche heute sehr wenige eigene Erfahrungen machen. Sie sehen vieles im Video oder eignen sich Dinge anders vermittelt an. Aufgabe von Schule ist, ihnen die direkte eigene Erfahrung zu ermöglichen."

Vor Schülern der Klasse 8 c breitet Dhingra-Müller den Inhalt der Kiste aus, lässt etwa Eileen, Nuriyye, Mustafa und Eric den nicht mal zigarettenschachtelgroßen Chip, auf dem experimentiert wird, auf die feuerfeste Teflon-Unterlage stellen. Mit einer Kapillare holt sie Silberoxyd aus einem Vorratsglas und zeigt, wie die Schüler es mit einem Mikrogasbrenner erhitzen sollen. Silber bleibt an dem Experimentierstäbchen zurück. Gleiches wiederholt sich bim Abscheiden von Zink aus Zinkjodid. Dhingra-Müller: "Ich habe noch nie einen Schüler erlebt, das mir sagte, das Mitmachen hier mag ich nicht. So experimentieren macht Spaß."

Letzteres ist für Michael Teppner vielleicht nicht der Hauptgrund, warum er im Büro von Realschulrektor Markus Hanke steht und ein randvoll gefülltes Gefäß als "Chemie-Förderkolben" mit im Gepäck hat. Teppner ist "Global Vice President Marketing Communications" der Gelita AG in Eberbach. Als Partner des Chemie-Industrieverbands will der Eberbacher Weltmarktführer in Gelatineproduktion unter Schülern dafür werben, sich auch für Ausbildungsberufe in diesem Umfeld zu interessieren.

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